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Energieausweis beantragen und weitere Infos


Gebäude sind weltweit eine der größten Ursachen für den hohen CO2-Ausstoß privater Haushalte. Nicht nur der Umwelt, sondern auch deinem Geldbeutel zuliebe, solltest du versuchen, den Energieverbrauch deiner Immobilie so gering wie möglich zu halten. Hier kommt der Energieausweis ins Spiel: Ob dein Haus, deine Wohnung oder deine Wunschimmobilie ein Energiefresser ist oder gar Energie einspart, lässt sich mit dem Bedarfs- oder Verbrauchsausweis feststellen. Die Ausstellung eines Energieausweises ist jedoch nicht freiwillig, sondern gesetzliche Pflicht. Bei Nicht-Ausstellung kann ein Bußgeld von bis zu € 10.000 anfallen. Seit dem 1. Mai 2021 gelten außerdem neue Regelungen im Zusammenhang mit dem Energieausweis. In unserem Artikel erfährst du, was du beachten musst.

Definition: Was ist ein Energieausweis und wozu dient er?

Kurz gesagt: der Energieausweis stellt den energetischen Zustand deiner Immobilie dar. Das fünfseitige Dokument spiegelt damit die Energieeffizienz des gesamten Gebäudes wider, die auf Grundlage der technischen Eigenschaften oder des Energieverbrauches des Gebäudes berechnet wird.

Für jedes Gebäude wird genau ein Energieausweis erstellt. Auch wenn du eine Eigentumswohnung erwirbst, gibt es lediglich einen Energieausweis, der für das gesamte Gebäude gilt.

Jeder Energieausweis beinhaltet sogenannte Energieeffizienzklassen, wodurch sich alle Gebäude deutschlandweit miteinander vergleichen lassen. Kauf- und Mietinteressent:innen können so den Energieverbrauch bzw. -bedarf verschiedener Immobilien vergleichen oder bei einem bereits bestehenden Mietverhältnis das eigene Heizverhalten überprüfen. Seit 2007 besteht die Pflicht zur Ausstellung. Die Intention dahinter: Auf schlechte Energiewerte von Immobilien aufmerksam machen und so Eigentümer:innen motivieren, energetische Modernisierungsmaßnahmen durchzuführen. Solche Modernisierungsmaßnahmen verringern dann nicht nur den CO2-Ausstoß, sondern führen auch zu einer erheblichen Wertsteigerung der Immobilie.

Du hast die Möglichkeit, den Energieausweis in unserem Basis-Paket hinzuzubuchen oder im Full-Service-Paket zu erhalten.

Was ist der Unterschied zwischen einem Bedarfsausweis und einem Verbrauchsausweis?

Es existieren zwei Arten von Energieausweisen: Der Bedarfsausweis („großer Energieausweis“) und der Verbrauchsausweis („kleiner Energieausweis“). Während sich der Bedarfsausweis an dem theoretischen Energiebedarf orientiert, bezieht sich der Verbrauchsausweis auf den tatsächlichen Energieverbrauch. Für den Bedarfsausweis benötigt der oder die Aussteller:in Details über das Gebäude, während der Verbrauchsausweis auch vom tatsächlichen Nutzerverhalten der Bewohner.innen abhängt. In der nachfolgenden Tabelle findest du die wesentlichen Unterschiede im Detail:

Was soll herausgefunden werden?
Energiebedarfsausweis: Energetische Gebäudequalität
Energieverbrauchsausweis: Tatsächlicher Energieverbrauch der Gebäudenutzer:innen

Was wird berechnet?
Energiebedarfsausweis: Energetischer Zustand der Gebäudehülle (Dach, Wände, Fenster), Anlagentechnik (Lüftungs- und Klimatechnik, Heizung, Warmwassererzeugung)
Energieverbrauchsausweis: Energieverbrauch der Gebäudenutzer:innen

Welche Daten benötigen die Aussteller:innen?
Energiebedarfsausweis: Kennwerte der Anlagentechnik, bauphysikalische Gebäudemerkmale
Energieverbrauchsausweis: Verbrauchsdaten über 36 Monate, letzte Abrechnung nicht älter als 18 Monate

Welche Ergebnisse stehen dann im Energieausweis?
Energiebedarfsausweis: Endenergiebedarf, Primärenergiebedarf, Treibhausgasemissionen, Transmissionswärmeverlust
Energieverbrauchsausweis: Endenergieverbrauch, Primärenergieverbrauch, Treibhausgasemissionen, mittlere U-Werte

Vorteile
Energiebedarfsausweis: Detaillierter und verfügt über aussagekräftigere Daten, da die Daten unabhängig vom Nutzer erhoben werden; der künftige Energieverbrauch kann besser eingeschätzt werden und somit auch die anfallenden Energiekosten; Gebäude können besser miteinander verglichen werden
Energieverbrauchsausweis: Günstiger als der Bedarfsausweis und benötigt keinen hohen Aufwand; Energiekosten der Gebäudenutzer:innen können abgeleitet werden

Nachteile
Energiebedarfsausweis: Teurer als der Verbrauchsausweis aufgrund des höheren Aufwands bei der Datenanalyse
Energieverbrauchsausweis: Daten sind vom Nutzerverhalten abhängig, dadurch ist die Aussagefähigkeit eingeschränkt und Gebäude können somit erschwert miteinander verglichen werden; nach der neuen Bewertung durch das GEG werden mehr Details benötigt und wird somit ab dem 1. Mai 2021 teurer

Brauche ich den Bedarfsausweis oder den Verbrauchsausweis?

Ob du einen Bedarfs- oder Verbrauchsausweis für deine Immobilie benötigst, entscheidet sich auf Grundlage der Regelungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG):

Anforderungen für Wahlfreiheit (Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis):

  1. Der Bauantrag wurde ab dem 1. November 1977 gestellt.
  2. Das Wohngebäude erfüllt das Anforderungsniveau des Wärmeschutzgesetzes von 1977.

Ausschließlich Bedarfsausweis, wenn folgende Eigenschaften zutreffen:

  1. Der Bauantrag wurde vor dem 1. November 1977 gestellt und das Haus hat weniger als 5 Wohneinheiten.
  2. Neubau oder bestimmte Modernisierungsmaßnahmen.

Wie viel kostet der Energieausweis?

Es gibt keine gesetzliche Regelung, die die Kosten für die Ausstellung eines Energieausweises festlegt. Die Kosten für die Ausstellung eines Verbrauchsausweises reichen von ca. 50 bis 100 Euro und die Kosten für den Bedarfsausweis von ca. 300 bis 500 Euro. Der Preis hängt maßgeblich vom Gebäudetyp ab. Umso größer ein Gebäude bzw. je mehr Wohneinheiten ein Mehrfamilienhaus hat, desto komplizierter die Anlagentechnik oder die Aufbereitung der Daten und desto höher die Kosten.

Wir bieten die Beschaffung des Energieausweises als Bestandteil des Full-Service-Pakets an oder als optional buchbare Leistung im Basis-Paket für € 150.

Kann ich die Kosten für den Energieausweis steuerlich absetzen?

Fall du Vermieter:in bist, kannst du die Kosten für die Erstellung des Energieausweises steuerlich geltend machen. Benötigst du jedoch einen Energieausweis für die Immobilie, die du selbst bewohnst, kannst du die Kosten nicht steuerlich geltend machen.

Wann und für welche Gebäude benötige ich den Energieausweis?

Energieausweise werden beim Verkauf, der Vermietung, der Verpachtung oder dem Leasing eines Gebäudes, einer Wohnung oder einer selbstständigen Nutzungseinheit benötigt. Auch bei der Begründung oder Übertragung eines Erbbaurechts eines bebauten Grundstückes ist der Energieausweis Pflicht. Bereits bei Inseraten einer Immobilie muss ein Energieausweis vorliegen und bei einer Besichtigung gezeigt werden. Legen Verkäufer:innen, Immobilienmakler:innen, Vermieter:innen, Verpächter:innen oder Leasinggeber:innen den Energieausweis unvollständig oder nicht rechtzeitig vor, kann ein Bußgeld von bis zu € 10.000 anfallen.

Wer darf einen Energieausweis ausstellen?

Wer genau Energieausweise ausstellen darf, ist im Gebäudeenergiegesetz (GEG) geregelt. Demnach müssen die Aussteller:innen der Energieausweise eine „baunahe“ Ausbildung haben. Dazu gehören u. a. Techniker:innen, Ingenieur:innen, Architekt:innen und qualifizierte Handwerker:innen. Wenn du dich also angesprochen fühlst, aber dir nicht sicher bist, ob auch du zur Ausstellung von Energieausweisen berechtigt bist, kannst du den § 88 GEG nachlesen. Dort steht im Detail, wer „Ausstellungsberechtigte:r für Energieausweise“ ist. Nicht selten werden noch zusätzliche Qualifikationen, wie z. B. eine Fortbildung im energiesparenden Bauen vorausgesetzt.

Kann ich den Energieausweis online bestellen?

Du kannst den Energieausweis online bestellen. Jedoch ist hier Vorsicht geboten: Oft werben unseriöse Anbieter zu sehr günstigen Preisen für Online-Energieausweise. Da du als Eigentümer:in alle Daten selbst eingeben musst, bist du für die Richtigkeit dieser Daten verantwortlich. Auch die Aussteller:innen dürfen nur einen Energieausweis erstellen, wenn sie keine Zweifel an der Richtigkeit haben. Viele Online-Anbieter fragen jedoch nach zu wenigen Daten und stellen somit unvollständige oder nicht aussagekräftige Energieausweise aus. Stell’ sicher, dass der Anbieter nach genügend Daten fragt und falle nicht auf zu günstige Angebote herein.

In unserem Basis-Paket bieten wir dir den Energieausweis als Buchungsoption für € 150 an. Der Energieausweis wird hier zwar online gebucht, aber auf Grundlage der Gutachterbesichtigung erstellt. Im Full-Service-Paket ist der Energieausweis ebenfalls enthalten.

Es besteht außerdem die Möglichkeit, eine:n qualifizierte:n Energieberater:in zu kontaktieren. Die Energieeffizienz-Expertenliste, die durch ein Förderprogramm des Bundes initiiert wurde nennt einige Adressen. Die aufgeführten Energieberater:innen werden regelmäßig auf ihre Qualifikation geprüft.

Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert die Online-Suche nach Aussteller:innen von Energieausweisen. Auch hier muss nachgewiesen werden, dass die Aussteller:innen qualifiziert sind. Wie du bereits weißt, können auch Ingenieur:innen und Architekt:innen Energieausweise ausstellen. Deshalb kannst du auch die entsprechenden Ingenieurkammern der Länder (z. B. die Ingenieurkammer-Bau in NRW) oder Architektenkammern (z. B. die Architektenkammer in NRW) aufsuchen und in der Suche nach „Energieberatung“ filtern.

Was beinhaltet der Energieausweis?

Der Energieausweis besteht aus mehreren Seiten. Hier kannst du dir ein Muster des neuen Energieausweises nach der GEG ansehen:

Seite 2 des Energieausweises
Quelle: https://www.bundesanzeiger.de/pub/publication/2SIU5op5G3yYlYriRYt?2 Seite 3 des Energieausweises
Quelle: https://www.bundesanzeiger.de/pub/publication/2SIU5op5G3yYlYriRYt?2

Auf Seite 1 werden allgemeine Informationen über das Gebäude angegeben, wie z. B. der Gebäudetyp, die Adresse, das Baujahr oder die Art der Lüftung und Kühlung. Zudem müssen Aussteller:innen ankreuzen, ob es sich um einen bedarfs- oder verbrauchsabhängigen Energieausweis handelt und sich mit dem eigenen Namen, der Anschrift und der Berufsbezeichnung vermerken. Außerdem wird das Datum der Ausstellung eintragen.

Oben rechts befindet sich die Registriernummer, die für jeden Energieausweis einzigartig ist. Der oder die Aussteller:in des Energieausweises beantragt diese beim Deutschen Institut für Bautechnik. Der Sinn dahinter ist folgender: Damit die Qualität des Energieausweises stetig verbessert werden kann, führen verschiedene Behörden, wie die Verbraucherzentrale, stichprobenartige Kontrollen durch, indem sie einzelne Energieausweise über die Registriernummer abrufen. Wichtig ist, dass du auf Verlangen der Behörden den Energieausweis aushändigen kannst. Außerdem stehst du gesetzlich in der Pflicht, Kopien sowie zugehörige Daten von dem Energieausweis zwei Jahre lang aufzubewahren (§ 99 Abs. 5 GEG).

Handelt es sich um den Bedarfsausweis, so wird die Seite 2 des Dokumentes ausgefüllt. Hier werden die Treibhausgasemissionen deines Gebäudes angegeben sowie der End- und Primärenergiebedarf.

Handelt es sich um einen Verbrauchsausweis, werden die entsprechenden Daten lediglich auf Seite 3 ausgefüllt. Auf dieser Seite befinden sich die Kennwerte des jährlichen Verbrauchs in Kilowattstunden (kWh) pro m² Nutzfläche an (kWh/(m²a). Je niedriger dieser Kennwert, desto besser ist der energetische Gebäudezustand. Mit Hilfe der Energieeffizienzklassen können dann Wohngebäude miteinander verglichen werden. Auch hier wird der Endenergie- und Primärenergieverbrauch angegeben. Durch die Einheit kWh/m² ist es möglich, verschiedene Gebäude miteinander zu vergleichen und sie in Energieeffizienzklassen einzuteilen.

Auf Seite 4 des Energieausweises werden Empfehlungen ausgeschrieben, die einer kostengünstigen Modernisierung für dein Haus zugutekommen.

Seite 5 und somit letzt Seite des Energieausweises erläutert die wichtigsten Energiekennwerte.

Welche Änderungen bringt das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG)?

Das am 1. November 2020 in Kraft getretene Gebäudeenergiegesetz (GEG) löst die bis dahin geltende Energieeinsparverordnung (EnEV), das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) ab. Mit dem GEG werden diese Verordnungen und Gesetze zusammengeführt, aufeinander aufgebaut und neue Regelungen eingefügt, wie z. B.:

  • Die Treibhausgasemissionen müssen im Energieausweis aufgeführt werden.
  • Die energetische Gebäudequalität muss nicht nur im Bedarfsausweis, sondern ab Mai 2021 auch im Verbrauchsausweis angegeben werden.
  • Ebenfalls ist neu, dass Eigentümer:innen geeignete Fotos machen dürfen, die später zur Bewertung von Modernisierungsmaßnahmen herangezogen werden.
  • Seit Mai 2021 sind auch Immobilienmakler:innen in der Pflicht, einen Energieausweis bei der Vermietung, dem Verkauf oder der Verpachtung von Immobilien vorzulegen.
  • Handelt es sich um eine WEG, ist die Hausverwaltung dazu verpflichtet, einen Energieausweis zu beantragen. Die Kosten werden von allen Eigentümer:innen der WEG übernommen.

Wie lange ist der Energieausweis gültig und welche Übergangsfristen gilt es laut GEG zu beachten?

Der Energieausweis ist zehn Jahre lang gültig. Das gilt sowohl für die Energieausweise, die nach der EnEV als auch für die, die nach der GEG berechnet wurden. Da die GEG nun die EnEV ablöst, gibt es einige Fristen zu beachten:

  • Die GEG ist nicht anzuwenden, wenn die Bauantragstellung, die Bauanzeige oder der Antrag auf Zustimmung für die Erweiterung, Ausbau, Änderung, grundlegende Renovierung oder Errichtung bis zum 31. Oktober 2020 erfolgte. Dann gilt immer noch die EnEV, das EnEG und EEWärmeG.
  • Hat die Baubehörde das Bauvorhaben am 1. November 2020 immer noch nicht entschieden, kann das Bauvorhaben nach dem GEG geprüft werden.
  • Es gibt eine Übergangsfrist von sechs Monaten, und zwar vom 1. November 2020 bis zum 1. Mai 2021, in der auch Energieausweise nach der EnEV 2014 im Rahmen der Vermietung oder des Verkaufs (s. § 80 (3), (6) GEG) ihre Gültigkeit beibehalten.
  • Nach der Übergangsfrist des 1. Mai 2021 müssen die neuen Energieausweise nach der GEG ausgestellt werden.

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